Hier ist zu lesen, was mich gerade so bewegt. 

30.12.2020

Rauhnächte

Haben Sie es gemerkt?
Am 21. Dezember war Wintersonnenwende. 
Die Tage werden wieder länger hell.
Sonnenwenden bestimmten früher als religiöse Feste das Jahr. 
Das Julfest war das bedeutende altgermanische-keltische  Fest zur Wintersonnenwende. 
„Jul“ ist nordisch, in Skandinavien wünscht man sich zu Weihnachten „God jul“.

Auf das Julfest folgen die Rauhnächte. 
Die  Menschen glaubten früher, dass in dieser Zeit der Himmel offen ist und man in die Zukunft sehen kann. In den „Rauhnächten“ herrschen Ungewissheit, Gegenwart und Zukunft begegnen sich. Magie und Zauber wirken und Mischwesen, halb Tier halb Mensch, gehen um. 

Dem Christentum behagten die „heidnischen“ Bräuche nicht. 
Der römische Kaiser Konstantin der Große (4. Jahrhundert) hatte ursprünglich dem Sonnengott „Sol Invictus“, dem „unbesiegbare Sonnengott“ ,gehuldigt. Nach der siegreichen Schlacht an der Milvischen Brücke (im Jahr 312) vor den Toren Roms wandte er sich mehr dem Christentum zu. 
Dann wurde Jesus Christus dem Sonnengott gleichgesetzt, Christi Geburt wurde auf dessen Geburtstag, den 25. Dezember gelegt, auch um das „Heidnische“ zu verdrängen.
Konstantin entschied auch, dass der „Tag der Sonne“ Feier- und Ruhetag werden sollte. 
Davon profitieren wir heute noch.

Unsereins feiert also mit Weihnachten eigentlich ein Fest zunehmenden Lichtes. 
Warum auch nicht! 

Etliche heidnische Gebräuche haben sich auch gehalten, so der Weihnachtsbaum, Sinnbild der Baumheiligtümer der Germanen und Kelten. 
Weihnachtsmann und Knecht Ruprecht gehören ebenfalls zum verborgenen heidnischen Inventar im christlichen Wohlfühlmantel. 
Von germanischen Bräuchen der Rauhnächte rührt auch das Schenken her. 
Die Geburt des Lichtes bringt Erneuerung und Frieden und das ist allemal Geschenke wert, die friedlich stimmen sollen. 
Die meisten machen das auch, Umtausch inklusive.

Die Rauhnächte hängen ursprünglich mit dem Mondjahr mit den 354 Tagen zusammen, sie entsprechend der Differenz von elf Tagen und zwölf Nächten zum Sonnenjahr mit 365 Tagen.

In den Rauhnächten wurde ordentlich mit Kräutern gegen dunkle Geister und Dämonen geräuchert. 
Das Räuchern im Gottesdienst ud bei der Einweihung von Plätzen und Gebäuden hat die christliche Kirche auch übernommen.

Abergläubisch wie die Menschen früher waren – wir natürlich nicht!- galten die Rauhnächte als gefährlich. Man räumte Haus und Hof ordentlich auf, vermied weiße Tücher außen aufzuhängen, die von bösen Geisterreitern  geklaut werden konnten und als Leichentücher verwendet werden konnten.

Egal, wie man drüber denkt: die elf Tage und zwölf Rauhnächte nach Weihnachten können als Zeit der Ruhe und Abstand vom Alltag, als Pause beim Jahresübergang zur Besinnung und Stille genutzt werden.
So werde ich es halten.

Admin - 16:26 @ Kolumnen | Kommentar hinzufügen

 
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